Mord auf dem Friedhof by David Safier

Mord auf dem Friedhof by David Safier

Autor:David Safier [Safier, David]
Die sprache: deu
Format: epub
Tags: Roman
Herausgeber: Rowohlt E-Book
veröffentlicht: 2022-02-28T23:00:00+00:00


34

«Geister wären mir lieber gewesen», seufzte Mike, während Kommissar Hannemann die Satanisten vernahm und staunte, dass sich sein Kollege Martin unter ihnen befand. Ausgerechnet Ralf und Merle Borscht waren als Bestatter herbeigerufen worden und transportierten erstaunlich gefasst Charu Benishas verbrannte Überreste in einem schwarzen Sack in Richtung Rechtsmedizin ab. Der ätzende Brandgeruch hing wie eine Glocke über dem Friedhof. Achim und Mike standen blass und schockiert neben der Erzengel-Statue und kämpften mit der Übelkeit. Selbst Mops Putin sah aus, als ob er von heute an vegetarisches Futter bevorzugen würde. Angelas eigener Magen hingegen war stabil. Sie hatte in ihrem Leben schon viele üble Gerüche ertragen, so zum Beispiel das strenge Moschus-Parfüm des weißrussischen Präsidenten Lukaschenko, bei dem man nur froh sein konnte, dass keine paarungsfreudigen Moschustiere in der Nähe waren. Oder jenen von 27 Staatschefs nach einer durchgemachten Nacht beim EU-Krisengipfel. Oder eben auch den von Achims Socken am Ende einer vierwöchigen Wanderung.

Angela beobachtete Peter Kunkel. Er saß regungslos auf den verrußten Stufen des Grabmals und wirkte wie am Boden zerstört. Nicht wie jemand, der gerade seine Geliebte in die Luft gesprengt hatte. Entweder war er an Charu Benishas Tod vollkommen unschuldig – und somit womöglich auch am Tod des Gärtners, auch wenn Angela noch nicht klar war, wie die beiden Morde zusammenhingen. Oder er war ein extrem guter, total ausgebuffter Schauspieler. Wie seine gute Freundin Pia von Baugenwitz, die Angela vor einigen Wochen hinter Gitter gebracht hatte.

Kommissar Hannemann trat zu Angela. «Sie wollen jetzt bestimmt meine Zeugenaussage aufnehmen», eröffnete sie das Gespräch.

«Nein», antwortete Hannemann.

«Nein?», staunte Angela.

«Der Fall ist klar.»

«Der Fall ist …?», staunte Angela noch mehr.

«Klar. Haben Sie was an den Ohren?»

«Sie haben ihn gelöst?» Für Angela war dieser Gedanke so unvorstellbar, dass sie die Beleidigung unbeantwortet ließ.

«Und ob ich das habe.»

Angela konnte es kaum fassen. Dieses Erbsenhirn war gerade mal eine halbe Stunde vor Ort, wie konnte es da einen Mörder entlarven?

«Und?», fragte sie.

«Und was?»

«Wer war der Mörder?»

«Mörder?»

«Ja, wer war der Mörder?» Angela hegte selten Gewaltfantasien. Aber diesen Totalausfall von Kommissar hätte sie gerne mal zu einer Coronaleugner-Demonstration geschickt und laut gerufen: Der da produziert die Chips für Bill Gates!

«Es gibt keinen Mörder.»

«Was?» Angela konnte es kaum fassen.

«Sie haben ja wirklich was an den Ohren.»

«Und Sie nichts dazwischen.»

«Ich muss doch sehr bitten.»

«Die Frau ist explodiert!» Angela musste sich zurückhalten, Hannemann nicht zu schütteln.

«Die Fackel war defekt.»

«Die Fackel war … was?»

«Ich kenne in Templin einen guten Ohrenarzt, der holt Ihnen das Schmalz in Windeseile heraus. Der hat auch ein sehr gutes Praxismanagement, da muss man nicht lange warten …»

«Wieso war die Fackel defekt?», unterbrach Angela.

«Martin hat mir das erklärt.» Hannemann deutete auf den Kommissaranwärter, der mit Peter Kunkel gerade davonging und seinen Arm um ihn gelegt hatte. Angela erkannte dabei, dass die schwarzen Neurodermitis-Handschuhe des Mannes aus einem festen Material bestanden. Charus Liebhaber wirkte weiterhin, als ob er sich in einem katatonischen Schockzustand befände. Hätte sein Freund Martin ihn nicht rechtzeitig weggezogen, wäre er direkt vor den Leichenwagen des Bestatters Borscht gelaufen.

«Und was genau hat Martin Ihnen erklärt?»

«Aus der Fackel sollte ein riesiges Feuerwerk kommen, aber die war offenbar defekt und ist explodiert.



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